Humanoide Roboter für den Unterricht

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert ein Projekt an der Philipps-Universität Marburg, das interaktionsfähige, humanoide Roboter für die Zukunft der universitären Lehre entwickelt. Im Rahmen des Projektes HEART (Humanoid Emotional Assistant Robots in Teaching) erkundet ein Wissenschaftler-Team um den für seine digitalen Lehrmethoden mehrfach ausgezeichneten Anglistik-Professor Jürgen Handke die Einsatzmöglichkeiten der humanoiden Roboter „Pepper“ und „Nao“ im universitären Lehrbetrieb.

Menschenähnliche Roboter sind nicht nur Zukunftsmusik: Immer häufiger kommen sie im Alltag zum Einsatz, etwa im Sozial- und Gesundheitswesen oder in Familien. Dabei fungieren die hochkomplexen Helfer keineswegs nur als eigenständige Werkzeuge, die den Rasen mähen oder staubsaugen. In zunehmendem Maße können sie auch soziale Rollen einnehmen und mit Menschen interagieren. Deswegen hat Handke (rechts im Titelfoto) bei seinem Projekt durchaus auch weitergehende Implikationen des technischen Fortschritts im Sinn: „Dass sich humanoide Roboter verstärkt im menschlichen Alltagsleben ausbreiten und eher früher als später schlicht ‚dazugehören‘ werden, ist aus meiner Sicht keine Frage. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Einzelnen und für die Gesellschaft?“ Die Universität wird damit zugleich zum Studienort für das Miteinander von Mensch und Maschine. Die Auswertung der Ergebnisse wird von der Marburger Bildungsforscherin Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing vom Fachbereich Erziehungswissenschaften begleitet.

Humanoide Roboter: „Mein Name ist Pepper, ich grüße Sie!“

Bereits im Herbst des vergangenen Jahres machte die Arbeitsgruppe von Prof. Handke auf sich aufmerksam. Damals schaffte sie den humanoiden Roboter „Pepper“ der Firma Aldebaran Softbank an. Mit Charme und Kulleraugen wurde er schnell zum Liebling vieler Studierender und erfuhr ein breites mediales Echo. Pepper kann sich nicht nur in mehreren Sprachen unterhalten, sondern auch Gefühle erkennen und seinerseits zum Ausdruck bringen. „Sein gesamtes Wesen und Verhalten sind darauf ausgelegt, dass er von Menschen ‚gemocht‘ wird“, so Projektleiter Handke. Mit dem kleinen und mindestens ebenso freundlichen Roboter „Nao“ hat „Pepper“ zudem seit einigen Wochen Verstärkung bekommen, sodass zukünftige Untersuchungen auf eine breitere Basis gestellt werden können.

Im guten ‚Draht‘ zu Menschen sieht Handke die Grundlage für vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Denkbar wäre etwa ein Einsatz als Assistenten für Lehrende. Die nimmermüden und stets höflichen Roboter könnten helfen, dem steigenden Betreuungsaufwand – etwa bei der Beantwortung häufiger Fragen – gerecht zu werden. Solche und ähnliche Szenarien sollen in einem ersten Schritt des Projektes entwickelt werden. Sodann werden Pepper und Nao für den universitären Alltag fit gemacht. Das heißt konkret, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von HEART die Roboter mit neuer Software ausstatten, die anschließend der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Ihre Tätigkeiten im Universitätsbetrieb sowie ihr Anklang bei Studierenden sollen schließlich umfassend dokumentiert und evaluiert werden – lernfähig sind schließlich auch die kleinen Roboter.

Das Projekt beginnt im Mai 2017 und läuft zunächst für ein Jahr. Die BMBF-Fördersumme beläuft sich auf 137.000 Euro und ist für die Finanzierung der Projektmitarbeiter vorgesehen.

Mit den Ergebnissen soll das Projekt HEART nicht nur Ideen für eine Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen liefern, sondern zugleich zu einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion beitragen. Noch immer haben viele Menschen Vorbehalte, was den Einsatz intelligenter Maschinen in sozialen Bereichen betrifft. Für Angehörige der Universität Marburg heißt es nun: Probieren und Studieren.

Quelle: idw, Pressemitteilung von Andrea Ruppel
Foto: ibw/Philipps-Universität Marburg/Tabea Weiß

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